Freitag, 30. Juli 2010

Tag 4: Ein Tag im Centro de Acopio




Den heutigen Tag verbrachte ich mehrheitlich am Computer im Centro de Acopio. Im Bürogebäude arbeiten drei Sekretärinnen, der Direktor sowie der Fairtrade-Verantwortliche. Die weissen Platten am Boden werden dann, wenn wir jeweils von den Feldern zurückkommen, von braunen Dreckspuren überzogen. Im Büro der äusserst elegant gekleideten Sekretärinnen tauchen regelmässig Bauern auf. In den Sommermonaten kommen sie, um einen Vorschuss zu bekommen, im Winter, um das Geld für den abgelieferten Kakao zu erhalten. Die Beträge werden in Checks ausbezahlt. Bei ihrem Gang ins Sekretariat traf ich heute Luis Mareira, 79, und seinen Schwager Isidoro Marin, 54. Ihre Finca ist rund eine halbe Stunde Autofahrt vom Centro de Acopio entfernt. Für den Transport taten sie sich mit Kollegen zusammen, die ein Auto haben. Nächster Halt sei die Bank. Luis und Mareira sagten mir: „Seit wir unseren Kakao nicht mehr an Zwischenhändler verkaufen, hat sich unser Leben verändert. Es geht uns gut mit diesem Zentrum.“ Im Moment haben sie jedoch Sorgen wegen des Klimas. Dieses Jahr war der Winter schon zu kalt und nun, im Sommer, regnet es viel zu viel. Aufgrund der hohen Feuchtigkeit kann der Kakao die Krankheit „Monilla“ bekommen. Wenn der Bauer nicht aufpasst, kann eine einzige Frucht eine ganze Hektare anstecken. „Das Klima ist das grösste Risiko“, sagt Isidoro. „Wenn man die Ernte verliert, verliert man alles.“ Aus diesem Grund wollte er auch nie einen Bankkredit aufnehmen, um mehr Land zu kaufen.
Bei einem Rundgang im Freien traf ich dann auf den Angestellten José Menenda. Er ist einer der drei Angestellten, die das ganze Jahr über im Centro arbeiten. José ist „Mädchen für alles“: Er wägt den Kakao, schaufelt ihn in die Fermentationskisten, anschliessend in die Trocknungsanlage, dann in die Säcke. Wenn es trocken ist, werden die Schubladen, auf denen der Kakao liegt, hervorgezogen, regnet es, werden sie hineingeschoben. Um den Prozess zu beschleunigen, wird der Kakao mehrmals manuell gewendet und mit den Füssen gestampft. Als ich José fragte, was ihm an der Arbeit hier am besten gefalle, sagte er: „Alles!“ Er verdient im Monat USD 335 und hat eine Krankenversicherung. Davon kann er leben und seine drei Kinder unterstützen, die alle in der Schule oder an der Universität studieren. José erkundigte sich nach meiner Mütze von einer Kakao-Organisation in der Dominikanischen Republik. Wie gerne hätte ich sie ihm geschenkt! Doch da mein Aufenthalt in Ecuador noch nicht zu Ende ist, brauche ich sie noch. Josés gute Laune ist ansteckend. Ich werde sein Lachen noch lange nicht vergessen.

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