
Heute besuchte ich die Bauern der Region Rio Chico. Ich hatte Glück, dass diese Fahrt überhaupt zustande kam, denn mein Begleiter Jacinto Poggi hatte zuerst abgesagt. So sass ich dann im Büro des Centrode Acopio und harrte der Dinge. Der Zufall wollte es, dass ich Jacinto über Mittag in Calceta antraf, als er gerade mit einem Polizisten verhandelte. Jacinto strahlte, als er mich sah. So, wie wenn er mit mir gerechnet hätte! Kurz entschlossen lud er mich zum Mittagessen an einem künstlichen, mit Palmen gesäumten Fischteich ein. Eine wahre Oase! Anschliessend quetschten wir uns zu dritt in seinen Lieferwagen und fuhren rund 1 Stunde in die Region Rio Chico. Jacinto ist Präsident der Asociacion Rio Grande, besitzt selber eine Kakao-Finca und ist emeritierter Professor der Universität Calceta. Auf dem Weg von Calceta nach Rio Grande schüttelte ich unzählige Hände. Jacinto scheint die ganze Region zu kennen! Überall stellte mich Jacinto nicht ohne Stolz als seinen Besuch aus der Schweiz vor. Ich sagte meinen Namen und erklärte kurz meine Aufgabe hier. Die Menschen – vom Garagisten, über den Hühnerfarmbesitzer, über die Leiterin des Sozialprojektes – alle begrüssten und beglückwünschten mich herzlich und fragten, wann ich denn wieder in die wunderschöne Provinz Manabi zurückkommen würde. Ob ich nicht hier Land kaufen und Kakaobäuerin werden wolle? Leider konnte ich diesbezüglich nichts versprechen... :-)
Nun, unser erster Besuch an diesem warmen Nachmittag – zum ersten Mal schien die Sonne, und es wurde sofort tropisch heiss – galt Navor Zambrano. Er ist 74 Jahre alt, besitzt eine Hektare Kakao und kann zusammen mit seiner Frau davon leben. Sein Einkommen betrug letztes Jahr rund USD 4600. Dieses ist nur deshalb so hoch, weil Navor seinen Kakao sehr gut pflegt und mit neuen Sorten arbeitet. Als er die Farm vor 7 Jahren kaufte, wollte er zuerst Zitrusfrüchte anpflanzen. Doch Freunde rieten ihm davon ab. Im hochwertigen Criollo-Kakao liege das Potenzial, sagten sie. Bevor Navor sein Stück Land kaufte, arbeitete er 23 Jahre in Portoviejo als Hauswart an einer Schule. Doch dann änderte sich sein Leben: Er gewann in der Lotterie das grosse Los und konnte sich damit ein Stück Land erstehen. Heute verdient er mit der Landwirtschaft mehr als früher als Angestellter. „Das ist meine Welt, das ist mein Leben“, sagt Navor und strahlt. Er hat sich das ganze Wissen über den Kakaoanbau selber angeeignet. „Die Pflanze hat mich gelehrt“, erklärt er. Navor ist ein intelligenter Kerl. Er sieht in der Agrartechnologie ein grosses Potenzial und „tüfftelt“ gerne mit neuen Sorten. Seine Finca gilt mittlerweile als Vorzeigefarm. Sie ist so berühmt für ihre gute Entwicklung, dass schon Regierungsvertreter der Provinz Manabi vorbeikamen, um einen Augenschein zu nehmen. Navor offerierte uns zuckersüsse Orangen und Kokosnüsse. Da ich meine Heimreise nach Calceta mit dem öffentlichen Bus machte, überliess ich die Früchte dem Chauffeur. Ein toller Nachmittag, an dem doch noch alles gut kam. Manchmal braucht es einfach etwas Geduld und Gelassenheit...
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