


Heute war ich den ganzen Tag bei den Kakaobauern der Region Quiroga. Quiroga ist ein 5000-Seelen-Dorf, mit dem Auto rund eine halbe Stunde weg vom Centro de Aciopio von Calceta. Die zu dieser Asociation gehörenden Kakaobauern leben jedoch bis zu 8 Stunden entfernt vom Centro. Um die Bauern besser unterstützen zu können, baut die Kooperative derzeit ein eigenes Verarbeitungszentrum ausserhalb von Quiroga. Bis zur Ernte im Oktober wird es bereit sein.
Bei meinen Besuchen auf den Kakaofincas lernte ich heute Martin Zambrano kennen. Seine Felder befinden sich in der Nähe eines Flusses, ringsum ist es üppig grün. Eine herrliche Landschaft, die sehr fruchtbar ist. Martin ist rund 60-jährig, 3 seiner Kinder sind schon verheiratet, eines lebt noch bei ihm. Martin hat sein ganzes Leben hier verbracht. Zurzeit bekommt er von der Regierung ein neues Haus finanziert. Was mit dem alten Haus passiert ist, habe ich leider auf Spanisch nicht richtig verstanden. Die Bauzeit für ein einfaches Holzhaus mit einem Dach aus Palmblättern dauert rund einen Monat. Seine dreiköpfige Familie lebt von 1 Hektare Kakao, dazu noch etwas Viehzucht sowie Früchte und Kaffee für den lokalen Markt.
Doch warum besitzt Martin so wenig Land? Martin hat 10 Brüder. Als die Eltern starben, wurde das Land aufgeteilt. Diese Praxis ist in Ecuador üblich. Lieber wird das Land aufgeteilt, als dass die Geschwister zusammen die Finca ihres Vaters weiterführen. Um sich gegenseitig auszubezahlen, fehlen oft die Mittel.
Kakao ist für Martin das wichtigste Produkt, weil er ihn zu einem stabilen Preis an die Fairtrade-Organisation verkaufen kann. Rund USD 1000 wird er aus der Kakao-Ernte einnehmen. Doch während andere Bauern in den Sommermonaten Zitrusfrüchte und Kaffee ernten, sind die Bäume von Martin, abgesehen von ein paar Kaffeefrüchten, einfach leer. „Somospobre“, stellt Martin fest. Was ist passiert? Seine Kakaobäume sind alt, und der letzte Winter war hart. Sie sind nicht mehr so produktiv wie früher und tragen kaum Früchte. Die Mandarinen hatten eine Krankheit und starben ab, Martin weiss nicht genau warum. Vielleicht wegen der Kälte und dem vielen Regen der letzten Monate.
Martins Augen sind rot und traurig, sein Gesicht sorgenvoll. Wie wird nun ein Bauer wie Martin von der Kooperative unterstützt? Einerseits bekommt er für die Sommermonate einen Vorschuss von 150 Dollar. Dieser ist zweckgebunden und muss in den Kakaoanbau investiert werden. Andrerseits wird Martin 2 Mal im Jahr vom Qualitätsverantwortlichen der Kooperative besucht. Zudem hat er Anrecht auf technische Unterstützung – Bäume schneiden und andere maschinelle Arbeit - an 4 Tagen/Jahr. Im Krankheitsfall kann er Geld aus dem „Fondo Salud“ beantragen. Die Weiterbildungsveranstaltungen der Organisation kann Martin nicht besuchen. Es fehlt ihm das Geld für den Bus und vermutlich auch die Energie. Bereits für die Ernte dieses Jahres wird er aber seinen Kakao im neuen Verarbeitungszentrum der Region Quiroga abliefern können. Vielleicht wird es dann auch für Martin einfacher, an den Weiterbildungen teilzunehmen und auch mal einen Schwatz mit anderen Bauern zu halten. Nachdenklich verlasse ich das Feld von Martin. Die Bilder von den leeren Bäumen wollen mir nicht mehr aus dem Kopf.
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