Dienstag, 27. Juli 2010

Tag 1: Gelebte Demokratie


An meinem zweiten Besuchstag konnte ich live erleben, wie die von Fairtrade vorausgesetzte demokratische Struktur in der Organisation Fortalezza del Valle gelebt und umgesetzt wird. Der Präsident David Sabando lud alle gewählten Vertreter der zu Fortalezza gehörenden Kooperativen oder „Asocianiones“ zu einer ausserordentlichen Sitzung ein. Thema: Die Vergabe von Krediten an die Produzenten. Da der Kakao nur von Oktober bis März geerntet und verkauft werden kann, haben viele kleine Kakaobauern in den Sommermonaten regelmässig ein Liquiditätsproblem. Damit sie in dieser Zeit trotzdem ein Einkommen aus dem Kakaoanbau haben, vergibt die Organisation ihren Mitgliedern Kredite.
Rund eine halbe Stunde vor Beginn der Sitzung tröpfeln die Bauern langsam ein und setzen sich gemütlich auf die Stühle vor dem Kooperativen-Büro. Kurz nach 14h schnappt sich jeder „socio“ seinen Stuhl und begibt sich in einen Raum neben der Kakaolagerhalle, der unter anderem auch als Velogarage dient. Der Präsident eröffnet die Sitzung, stellt auch mich, den Gast aus der Schweiz, vor und übergibt dann das Wort an den Fairtrade-Manager. Dieser liest von einem Zettel ein paar Zahlen ab und beantragt die Umlagerung der Prämiengelder und eine Erhöhung dieses Kreditpostens. Die Bauernversammlung stimmt schliesslich dem Antrag mit Handerheben zu, nachdem rund eine halbe Stunde jeder „socio“ mindestens einmal das Wort ergreift. Der Präsident muss seine engagiert diskutierenden „companeros“ immer wieder zu Recht weisen. Als einige gegen Schluss den Raum vorzeitig verlassen wollen, weil es nicht so klar ist, ob die offizielle Sitzung schon zu Ende ist oder nicht, ruft er sie freundlich, aber bestimmt wieder an ihren Platz zurück. Unverhofft komme dann auch ich noch zu einem Auftritt: Ich packe mein bestes Spanisch hervor und erkläre den Bauern, dass ich sie gut verstehe, dass sie ihren qualitativ hochwertigen und arbeitsintensiven Bio-Kakao zu einem besseren Preis verkaufen möchten. Ich weise jedoch darauf hin, dass auch in der Schweiz der Preis ein wichtiges Thema sei. Wird die Differenz zwischen der Fairtrade- und der konventionellen Schokolade zu hoch, besteht die Gefahr, dass weniger Fairtrade-Schokolade verkauft wird, was auch nicht im Sinn der Bauern wäre. Die Bauern quittieren meine kurze Rede mit einem anerkennenden Nicken. Uff!

1 Kommentar:

  1. Hoi Regula, es macht total Spass deine Berichte zu lesen und deine Reise so mitzuverfolgen. Bin gespannt, wie es weiter geht. Lieber Gruss - claro fair trade - Yolanda

    AntwortenLöschen